Zum Tod von Georg Baselitz - Wiederholung unserer Museumstour durch das Städel
Der Tod von Georg Baselitz markiert das Ende einer künstlerischen Epoche, die sich konsequent jeder Versöhnlichkeit verweigerte. Baselitz war kein Künstler, der gefallen wollte. Er war einer, der störte, provozierte, herausforderte – und genau darin liegt seine bleibende Bedeutung. Wer heute durch das Städel Museum geht, begegnet diesem kompromisslosen Werk auf eindrückliche Weise. Eine Museumstour durch das Städel wird so nicht nur zum ästhetischen Erlebnis, sondern zu einer Begegnung mit einer Haltung: Kunst als Widerstand.
Schon früh stellte sich Baselitz gegen das, was als „gute Kunst“ galt. In einer Zeit, in der Abstraktion als Maßstab moderner Malerei dominierte, hielt er trotzig an der Figur fest – allerdings nicht in gefälliger Form. Seine frühen Werke wirken wie Angriffe auf das Auge: deformierte Körper, düstere Hintergründe, ein malerischer Gestus, der eher an Schlamm als an klassische Schönheit erinnert. Werke wie „Die große Nacht im Eimer“ sind bis heute verstörend. Sie markieren den Beginn einer Karriere, die sich nie anpasste, sondern stets gegen Konventionen arbeitete.
Diese Radikalität lässt sich auch im Städel Museum nachverfolgen. Die Sammlung des Hauses, eines der bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands, bietet einen hervorragenden Zugang zu Baselitz’ Werk und seiner Entwicklung. In Frankfurt tritt sein Œuvre in einen spannenden Dialog mit anderen Strömungen der Moderne. Gerade hier wird sichtbar, wie isoliert – und zugleich einflussreich – Baselitz’ Position war.
Ein zentraler Moment seines Schaffens ist die berühmte „Kopfstand“-Malerei. Indem Baselitz seine Motive auf den Kopf stellte, entzog er sie ihrer gewohnten Lesbarkeit. Was zunächst wie ein einfacher Trick erscheinen mag, entpuppte sich als fundamentale Infragestellung von Wahrnehmung. Der Betrachter wird gezwungen, sich neu zu orientieren, sich selbst zu hinterfragen. Im Städel, wo solche Werke im Kontext anderer moderner Positionen gezeigt werden, entfaltet diese Strategie eine besondere Wirkung: Sie irritiert – und genau darin liegt ihre Kraft.
Baselitz’ Kunst war immer auch ein Kommentar zur deutschen Identität. Geboren als Hans-Georg Kern in der Oberlausitz, geprägt von der DDR und später vom westdeutschen Kunstbetrieb, blieb er zeitlebens ein Außenseiter. Dass er sich selbst offensiv als „deutscher Maler“ bezeichnete, war weniger Bekenntnis als Provokation. In seinen Bildern spiegelt sich diese Spannung: eine Auseinandersetzung mit Geschichte, mit Schuld, mit kulturellen Brüchen. Gerade für ein Museum wie das Städel, das tief in der deutschen Kunsttradition verwurzelt ist, wird Baselitz so zu einer Art Gegenpol – einer, der die Tradition nicht fortführt, sondern aufbricht.
Eine geführte Tour durch das Städel Museum eröffnet die Möglichkeit, diese Zusammenhänge zu entdecken. Baselitz’ Werke stehen hier nicht isoliert, sondern im Dialog: mit der klassischen Moderne, mit Nachkriegskunst, mit internationalen Positionen. Besucher können nachvollziehen, wie radikal sein Ansatz tatsächlich war – und wie sehr er die Kunstwelt verändert hat. Seine Bilder fordern Zeit, Aufmerksamkeit, manchmal auch Geduld. Doch genau darin liegt ihr Reiz.
Der Tod Georg Baselitz im 89. Lebensjahr ist deshalb auch eine Einladung, sein Werk neu zu entdecken. Aus diesem Grund wiederholen wir unsere Museumstour durch das Städel Museum am 7. Mai um 18:00. Hier anmelden.
Bild: Städel Museum, Image by KarinKarin von Pixabay